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Jugendbuch / Rezension / Roman

Sei Mutig – Warum “Falling Fast” kein Feel-Good-Roman ist

Inhaltsangabe

Sei Mutig Rezension Falling Fast Bild Buch

“Sei mutig!” Mit diesen beiden Worten wird Falling Fast vermarktet und schnell verbunden.
Denn Hailee will über ihren Schatten springen, möchte ihrer Zwillingsschwester in nichts mehr nachstehen und begibt sich auf einen 2-Monatigen Roadtrip durch die Staaten – bis sie in Fairwood landet und dort auf Chase trifft.
Chase. Der Chase, der ihren besten Freund im Stich gelassen hat, als dieser im Sterben lag. Wie könnte Hailee ihm das jemals verzeihen?

  • Autor: Bianca Iosivoni
  • Genre: New Adult
  • Seiten: 480
  • Preis: 12,90€
  • Verlag: Lyx
  • Erstveröffentlichung: 27. Mai 2019
  • Suizidalität
  • Angststörung
  • Social Anxiety
  • Depressionen

Rezension

Falling Fast hat einige Diskussionen in der Bloggerszene hervorgerufen. Nicht so stark wie ich dachte, nicht so aufbrausend, aber vorhanden. Und auch ich möchte mich diesem Thema widmen, zumindest zum kleinen Teil und daher wird es am Ende der Rezension einen Spoilerteil geben.
Denn erst zum Ende wird dem Leser tatsächlich bewusst was es mit den Worten “Sei mutig!” auf sich hat und dann wird auch klar, woher die kritischen Stimmen kommen.

Fast schon ein Feel Good Roman

Bis zu den letzten Seiten ist Falling Fast eher schon ein Feel-Good Roman. Tweenies auf der Suche nach sich selbst in einer kleinen idyllischen Stadt, irgendwo mitten in den Staaten, umgeben von Natur, Seen, Lavendelfarmen.
Hier strandet Hailee, in Fairwood, mehr oder weniger ungewollt. Sie wollte nur kurz bleiben, ein Versprechen erfüllen welches sie ihrem besten Freund gegeben hatte. Jesper, der das Schreiben genauso liebte wie sie. Jesper, der inzwischen tot ist.

Hailee hält Abstand zu Chase – und zum Leser

Und ausgerechnet hier, ausgerechnet kurz vor dem abgemachten Treffpunkt an dem sie sich mit ihrer Zwillingsschwester Katie treffen will, lernt sie Chase kennen. Während sich langsam eine zarte Beziehung zwischen den beiden aufbaut, lernt man Hailee und Chase näher kennen. Doch Hailee bleibt geheimnisvoll.
Es ist schwer an Hailee heranzukommen, schwer mehr über sie und ihre Vergangenheit, ihre Motivation zu erfahren. Sie macht sich Sorgen, muss sich immer wieder überwinden soviel Abstand zu Chase zu halten wie nur möglich. Es ist offensichtlich, dass sie Chase nicht an sich heranlassen möchte – und den Leser dadurch ebenfalls nicht.

Dagegen steht Chase, der wie Hailee einige Geheimnisse und Probleme mit sich schleppt. Er redet nicht gerne darüber, versucht seine Sorgen bedeckt zu halten, aber zumindest dem Leser werden Stück für Stück die Puzzelteilchen hingelegt und die Möglichkeit gegeben Chase nachzuvollziehen, eine Bindung zu ihm aufzubauen.
Denn das war der Fall, es war so leicht aus Chase Sicht zu lesen, ihm zu folgen und seine Gedanken zu verstehen. Während Hailee oft Verwirrung beim lesen auslöst und einen immer wieder zum grübeln bringt.

Und dann folgt der emotionale Breakdown

Doch umso enger sich die Stricke der beiden verknüpfen, umso emotionaler wird die Geschichte. Man spürt die Verbundenheit von Hailee und Chase und mit jeder Seite erhofft man sich den Moment, der sie noch näher aneinanderbringt, den Moment, in dem vor allem Hailee endlich ihre Mauern fallen lässt.
Und dann nähert man sich den letzten Seiten und wer sich die Triggerwarnungen nicht angesehen und nicht mit einem solch emotionalen Breakdown gerechnet hat, wird sich wohl vollkommen überrumpelt fühlen. Hilflos, vielleicht sogar schockiert.

Sei mutig!

Dieser Satz hat zu einigen Kritiken geführt und wer das Ende kennt, weiß wieso.

Vielen stößt dieser Satz jetzt also sauer auf. Denn man kann sehr leicht in diesen Satz hineininterpretieren: Sei mutig und habe keine Angst davor Suizid zu begehen.
Denn das passiert am Ende von Falling Fast – Chase findet Hailees Abschiedsbrief und damit endet der erste Teil.

Falling Fast spricht ein hochsensibles Thema an, ein Thema, das sich nicht als Vermarktungsstrategie eignet. Denn der mögliche Suizid eines Menschen sollte niemals als Werbung missbraucht werden. Ich denke, da sollten wir uns alle einig sein.
Worüber man sich streiten kann ist die mögliche Interpretation von den Worten “Sei Mutig.”
Ob diese losgelöst von dem Suizidversuch zu betrachten oder tatsächlich auf diesen bezogen sind. Ich persönlich denke, dass Bianca diese Worte auf Hailees Kampf gegen ihre eigene Unsicherheit bezogen hat und nicht an die weiteren möglichen Interpretationen gedacht hat.

Damit möchte ich niemanden in Schutz nehmen: Hinter einer Marketingkampagne stecken mehrere Köpfe und da hätte der Einwand unbedingt fallen müssen. Es ist dringend notwendig für diese Thematiken weiter zu sensibilisieren und aufzuklären.

Ich möchte hier niemanden seine eigenen Erfahrungen oder Gedanken absprechen!

Fazit

Was wie ein schöner Feel Good New Adult Roman anfängt endet mit einem emotional aufwühlendem Cliffhanger. Mit einem herzerwärmenden Protagonisten, der es versteht einen auf seine Seite zu ziehen und einer geheimnisvollen Fremden schafft es Bianca Iosivoni einen zu fesseln und das ohne dabei eine “Liebe auf den ersten Seiten” Beziehung ins Rollen zu bringen. Für alle sensiblen oder Betroffenen sind die Triggerwarnungen am Ende des Buches unbedingt notwendig und der Lyx Verlag setzt hier ein Zeichen für mehr Awareness.

4/5

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Weitere Meinungen

Ob ein lustiger Karaoke-Abend oder das Verlaufen in einem Maisfeld. Die Ideen der Autorin sind wunderbar und tragen so viel zu der gesamten Stimmung der Geschichte bei.
Bianca packte die richtigen Vibes in Worte, sodass „Falling Fast“ für mich zum Pageturner wurde. Die Geschichte, aus Hailees und Chases Ich-Perspektive heraus erzählt, ist absolut mitreißend, lebendig, feinfühlig, aber auch unerbittlich.

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Tina
Gast

Liebe Jenny,

ich hoffe inständig, dass der 2. und damit letzte Band Hailees Geschichte aufarbeitet und zwar so, dass nicht Chase als der ultimative Retter da steht.
Mal sehen, was uns erwartet. Mit Chase sind wir definitiv mehr warm geworden. Für ihn erhoffe ich mir ebenso eine ehrliche Lösung für seine Probleme.

Liebe Grüße
Tina