Rezension

[Rezension] Ava Reed – Die Stille meiner Worte

Inhaltsangabe

Hannah hat nicht nur ihre Zwillingsschwester Izzy verloren, sondern seit dem tragischen Verlust auch ihre Stimme. Sie spricht nicht mehr, mit niemanden.
Um ihren Verlust zu bewältigen wird Hannah in ein Sommercamp geschickt – ein Ort für kaputte Dinge, wie Hannah ihn nennt.
Sie will nicht dort sein, will ihre Stimme gar nicht wiederfinden, doch von Tag zu Tag lernt sie dazu, lernt, was es bedeutet sich schuldig zu fühlen – und sich selbst zu verzeihen.

Rezension

Man könnte fast meinen Ava orientiert sich hier an den gängigen Klischees der Jugendromane, eine tragische Vergangenheit, ein gebrochenes Herz, welches sich nur durch Liebe heilen lässt. Das ist der erste Eindruck den man gewinnen könnte, wenn man diese Geschichte zusammenfasst und doch ist es alles andere als das.
Ava lässt uns hier an einer hochemotionalen Erzählung teilhaben, legt in jede Zeile, in jedes Wort ihr Herzblut und treibt dem Leser unbarmherzig die Tränen in die Augen.

Zwischen all den Worten schwebt die ungesagte Wahrheit, ist die Trauer und die Verzweiflung von Hannah fast greifbar und auch wenn Hannah ihre Stimme verloren hat, sagt sie doch so viel. Sie spricht sie auf ihre Art und Weise, in ihrer stillen Sprache und vielleicht sind ihre unangesprochenen Worte deshalb so viel intensiver als sie sonst je sein könnten.

Fast schon poetisch beschreibt Ava Hannahs Gedanken und Gefühle, bedient sich an bildlichen Metaphern, die so viel Stärke und Empfindungen mit sich tragen. “Die Stille meiner Worte” lebt nicht von Dialogen, wie es bei vielen anderen Jugendromanen der Fall ist, braucht nicht viel Handlung um den Leser zu fesseln. Das schafft die Autorin mit so viel weniger und doch so viel mehr.

Neben Hannah’s Kapiteln gibt es einige die aus der Sicht von Levi geschrieben sind, Levi, der ebenfalls eine schwere Last mit sich trägt, eine traurige Vergangenheit versucht hinter sich zu lassen und Angst vor der Zukunft hat. Wie bei Hannah erschließt sich erst nach und nach welche Sorgen Levi mit sich trägt und wie ihn diese geprägt haben. In kleinen Nebensätzen, fast schon unbedeutend, streut Ava die einzelnen Hinweise, nimmt ihnen ihre Größe, lässt sie alltäglich erscheinen. Bis sie tatsächlich wichtig werden, bis ihre Bedeutung ersichtlich wird.

Denn es geht um Hannah, um ihre Gedanken, ihre Zweifel und ihre Ängste. Es geht nicht um das was passiert ist, sondern wie es Hannah beeinflusst, wie sie darunter leidet und dazu lernt.
Es geht nicht um Hannah und Levi, es ist nicht das gebrochene Herz, welches sich durch Liebe heilen lässt. Denn “Liebe” spielt zwischen den beiden keine Rolle, sondern Verständnis, Dankbarkeit, Fürsorge.
Und dadurch wird “Die Stille meiner Worte” ein besonderer Jugendroman, einer, den es so selten gibt und von dem es ruhig noch mehr geben darf.

Fazit

Ava Reed erschafft mit “Die Stille meiner Worte” ein Jugendbuch abseits der Norm und eines, welches der Buchmarkt gebrauchen kann. Trauerbewältigung und Schuldgefühle stehen hier im Mittelpunkt der Erzählung und Ava zeigt uns durch Hannah das es auch andere Wege gibt seine Probleme zu bewältigen als durch “die große Liebe”.
Mit viel Gefühl und einem poetisch gleichendem Schreibstil führt die Autorin uns durch die Geschichte und lässt auch dem Leser dabei Raum sich ganz und gar auf Hannahs und Izzys Leben einzulassen.

5/5

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Lisa
Gast

Hey Jenny,

eine wunderschöne Rezension zu einem wunderschönen Buch.
Ava schreibt einfach so gefühlvolle Bücher, ich mochte das Buch auch sehr.

LG Lisa

Nadine
Gast

Das Buch ist mir im Buchladen durch sein schönes Cover schon öfter begegnet, aber ich habe es bisher nicht gelesen. Nach deiner Rezension packe ich es aber auf meine Leseliste, ich lese eigentlich gerne Jugendbücher, doch oft trotzen die nur von Klischees, und wenn es hier nicht der Fall ist, freut mich das sehr, ebenso wie den poetischen Schreibstil, da werde ich glaub ich mal in eine Leseprobe rein lesen. Auch die Thematik klingt interessant und schön, dass mal nicht alles durch die eine, große wahre Liebe geregelt wird und aufgezeigt wird, dass es auch andere Wege gibt. Danke für… Weiterlesen »

Diana
Gast

Hallo,
wow, deine Rezension ist so schön. 🙂
Ich fand die Sprache von Ava Reed auch ganz toll, allerdings hat mich die Geschichte nicht ganz abholen können. Irgendwas fehlte für mich. Aber das weißt du ja. 😉
Liebe Grüße
Diana