Filmkritik

[Filmkritik] Sierra Burgess is a Loser – Ein Film der viel wollte…

(c) Netflix

Aktuell erleben viele Trends ihre zweite Renaissance. Schlaghosen sind wieder In, Blümchenprints der Hit und überhaupt wollen wir wieder weg von der Technik und zurück zur Natur. Wer dachte die 90er Jahre seien ausgestorben irrt sich gewaltig. Denn nicht nur die Modetrends unserer Eltern kehren so langsam zurück, auch die Filmindustrie zieht nach und so werden Teenie-Filme wieder zum Kassenschlager.
Schauten wir damals noch alle 10 Dinge die ich an dir hasse oder The Breakfast-Club, vielleicht sogar Indie-Klassiker wie Waynes Welt versucht Hollywood sich an einer moderneren Version, aufgeklärter und cooler zu sein und trotzdem den alten Charme der typischen Highschool-Dramen beizubehalten.

Ein Film der so viel wollte…

Nach absoluten Hits wie To all the Boys I’ve loved before gibt es einen weiteren Teenie-Drama-Film für unsere sehnsüchtig nach romantisierten Highschoolklischees schlagenden Herzen. Sierra Burgess is a Loser nennt sich das ganze und scheint auf den ersten Blick genau das zu sein, was die Zuschauerschaft verlangte. Doch vielleicht war es auch zu viel des Ganzen, denn dieser Film wollte so viel sein… und konnte am Ende nichts davon bieten.
Sierras Leben (Shannon Purser) ist das eines Hollywood-typischen Highschool-Losers. Ihr Aussehen entspricht nicht den Cheerleader-Normen, sie hat keine Freunde und spielt in der Schulkapelle. Ganz im Gegensatz zu Veronica (Kristine Froseth), die mit ihren langen blonden Haaren und großen Kulleraugen jedem den Kopf zu verdrehen vermag. Konflikte sind hier schon vorprogrammiert, denn natürlichen prallen diese zwei Gegensätze mit voller Wucht aufeinander.
Denn als Veronica von Jamie (Noah Centineo) angequatscht wird, gibt sie ihm kurzerhand Sierras Nummer – und das Drama beginnt.

Vorhersehbar und voller Klischees

Es ist leicht zu erkennen in welche Richtung der Film sich wendet und kann den Zuschauer kaum überraschen. Während Sierra in einem scheinbar wohlbehüteten Zuhause aufwächst, erfüllt Veronicas Mutter jedes Klischee der Frauen die ihre Kinder von klein auf zu Castingshows und Schönheitswettbewerben schleppen. Hier verpasst der Film eine seiner vielen Chancen zu zeigen welche Auswirkungen ein solches Verhalten auf die Kids haben kann. Statt der Mutter ein Bewusstsein dafür zu verschaffen, wie fehlerhaft ihr Verhalten sich auf ihre Töchter auswirkt, wird nur in einer Szene kurz angedeutet, dass zumindest Veronica verstanden hat, dass sie eingreifen muss um ihre Geschwister zu schützen.
Genauso verhält es sich auch mit der aufkeimenden Freundschaft zwischen Veronica und Sierra. Statt hier die Aufmerksamkeit auf den Lernprozess der beiden Mädchen zu legen gibt es eine kurze Szene nach der die beiden eine enge Bindung zueinander haben. Bei dem vorangegangen Hass wirkt dies einfach nur unglaubwürdig. Wo ein vorsichtiges aneinander antasten vielleicht mehr angebracht gewesen wäre, wird der Fokus von den eigentlichen Problematiken weg gelenkt und auf die einzige Sache die beide miteinander verbindet gesetzt.

Der Film bleibt leider zu Oberflächlich

So verhält es sich fast den ganzen Film durch. Viele Problematiken und Gedanken werden angeschnitten, sie alle zu nennen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Leider werden die wenigsten überhaupt zu ende gedacht oder überhaupt in eine sinnvolle Richtung gelenkt. Der Film verpasst hier ganz klar seine Chance aufgeklärter zu sein und gängige Klischees zu brechen. Dadurch verliert Sierra Burgess is a Loser viele Symphatiepunkte und endet bei mir ganz klar auf meiner Liste mit Filmen, die meine Zeit verschwendet haben.

Fazit

Viele problematische Gedanken werden angeschnitten, aber nicht zu ende geführt. Leider bleibt der Film durch und durch oberflächlich und verpasst dadurch viele Chancen. Weniger ist manchmal doch mehr und es hätte diesem Netflix Teenie-Drama sicherlich nicht geschadet auf manche Aspekte zu verzichten und den Fokus etwas zu verschärfen.

Zeitverschwendung

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[…] von Bücherpanda hat eine sehr tolle Filmkritik zu Sierra Burgess geschrieben. Ich kann ihr in allen Punkten wirklich nur […]

Kate
Gast

Hallöchen,
dass der Film eher oberflächlich und klischeebeladen war, hat mich gar nicht so gestört. Irgendwie erwarte ich das bei dieser Art Film und mag das zwischendurch ganz gerne. „Sierra Burgess is a loser“ hat mir anfangs auch sehr gut gefallen, doch dann, als dieses Dreiecks-Ding anfing und sich Sierra wie der größte Idiot verhalten hat, war es bei mir vorbei. Das Gespräch mit ihrer Mutter konnte mich dann zwar noch rühren, doch der Rest blieb dann absolut nicht nachvollziehbar. Echt schade, weil der Film an sich sehr viel Potenzial gehabt hätte.
Liebste Grüße, Kate

trackback

[…] Viertelstunde gesehen hatte, brach ich in ab. Jenny von Bücherpanda hat aufgeschrieben, was sie am Film „Sierra Burgess is A Loser“ […]

jacquysthoughts
Gast

Ich finde es gut, dass es wieder ein paar neue vielversprechende Teenie-Filme gibt, aber schade, dass dieser die Erwartungen nicht halten konnte. Ich mag es auch nicht, wenn Themen nur angeschnitten, aber nicht richtig behandelt werden. Von jemand anderem habe ich schon gehört, dass es viel gibt, was eher problematisch ist, deshalb werde ich den Film wohl nicht schauen.

Seitenglueck
Gast

Hallo Jenny, ich kann dir da in allen Punkten nur zustimmen! Danke für deine tolle Kritik. 🙂 Die Freundschaft zwischen Veronika und Sierra war wirklich so ein „Huch“- Moment, der nicht funktioniert hat, weil diese Wendung einfach viel zu schnell und ohne wirklichen Grund von statten ging. Auch fand ich Sierra selbst unglaublich problematisch und unsympathisch. Vom Prinzip her kann ich sie verstehen, aber der Film hat das so dargestellt, als wäre Catfish oder die Kuss Szene oder die Rache Szene okay, weil sie kriegt ja trotzdem am Ende den Typen. Hä, was. Ich finde, das ging alles gar nicht… Weiterlesen »

Lexa
Gast

Gerade noch rechtzeitig gelesen xD Habe gestern den Trailer gesehen und dachte, der wäre genau richtig um dieses Wochenende mal abzuschalten. Aber deiner Rezension nach würde ich mich beim Sehen mehr aufregen als entspannen.
Also danke für die Warnung.
LG Lexa

Gackelchen
Gast

Eine Freundin und ich hatten uns so drauf gefreut ( Shannon Fans! ) und waren dann ganz schnell sprachlos. Wie du sagst… so viele tollen Ideen in den Sand gesetzt. Vor allem, dass sie dann geziehlt Catfished und am Ende ohne Probleme davon kommt… Fand ich eine recht grenzwertige Aussage für Teenager. Fanden das echt schlimm teilweise.
Ich hoffe Shannon noch öfters zu sehen, in Filmen mit besseren Aussagen…
Ich freue mich, dass ich nicht als einzige bisschen enttäuscht vom Film war.
Liebe Grüsse,
Tania

Elena
Gast

Schade, dass der Film so scheitert. ich habe mal reingeguckt, aber bin nicht über den Anfang hinausgekommen. Nach dieser Rezension ist es da auch nicht allzu schade drum.

kat
Gast

Hi Jenny 🙂
danke für diese Rezension zum Film. Ich habe bisher fast nur negatives über den Film gehört und dieser Meinung scheinst du dich ja auch anzuschließen. Ich wollte ihn eigentlich auch irgendwann noch angucken, aber mittlerweile überlege ich mir das echt anders …
Liebe Grüße
Kat