Filmkritik

[Film] Aladdin (2019) und der Feminismus – Applaus für dieses Meisterwerk

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© Disney

Was Marvel bei den Avengers verpasst hat, hat sich Disney in seiner Realverfilmung von Aladdin zu eigen gemacht. “Lasst uns über Feminismus sprechen, über Emanzipation und lasst uns starken Frauenfiguren einen Raum geben” schreit dieser Film förmlich während Naomi Scott als Jasmin das eigens für diesen Film komponierte Lied “Speechless” schmettert.
“Nein, ich werde nicht schweigend alles hinnehmen was Männer wollen”, sagt der Song, sagt der ganze Film und bringt damit die im alten Orient angesiedelte Handlung ins Jahr 2019.
Guy Ritchie inszeniert damit eine seiner, wenn nicht sogar die stärkste Frauenfigur in diesem Klassiker, zu dem Heute wohl eher der Titel “Jasmin” gepasst hätte, als Aladdin.

  • Regie: Guy Ritchie
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Laufzeit: 129 Minuten
  • FSK 6
  • Mena Massoud: Aladdin
  • Naomi Scott: Prinzessin Jasmin
  • Will Smith: Dschinni
  • Marwan Kenzari: Dschafar
  • Navid Negahban: Sultan
  • Nasim Pedrad: Dalia
  • Alan Tudyk: Jago
  • Billy Magnussen: Prinz Anders
  • Numan Acar: Hakim

Meine Meinung

Aladdin, Dieb und Obdachlos, immer in Begleitung seines treuen Freundes Abu dem Affen, sorglos und irgendwie verzückend mit seinem spitzbübischen Grinsen. So kennen wir ihn, den Protagonisten eines der bekanntesten Zeichentrickfilme überhaupt. Denn wer kennt sie nicht, die Disney Filme die in den 90er Jahren einen ihrer Höhepunkte erreichten und uns eine Menge Sing-along-Songs bescherten und den Begriff Disney Meisterwerk prägten.

Unter ihnen der 1992 erschienene Zeichentrickfilm Aladdin der in der Wüstenstadt Agrabah spielt und den Zuschauer mit orientalischen Flair verzaubert und in eine Welt der Wünsche und arabischen Nächte entführt. Seit dem Erfolg des jüngst neu verfilmten The Junglebook war nur noch abzuwarten, welche Klassiker als nächstes in neuem Gewand in den heimischen Kinos zu sehen sein werden.

Guy Ritchie übernimmt gekonnt ein etwas anderes Genre

Etwas überraschend übernimmt Guy Ritchie die Rolle des Regisseurs, der sonst eher für actionlastigere Filme wie Sherlock Holmes oder Codename: U.N.C.L.E. bekannt ist. Auch wenn den meisten durchaus bekannt ist, dass in Aladdin auch einige Verfolgungsszenen oder waghalsige Sprünge von Gebäuden vorkommen ist es immer noch ein Kinderfilm, romantisch und auch verspielt. Doch Ritchie hat seinen Part mehr als zufriedenstellend erfüllt, lässt kaum Raum um sich als Zuschauer zu langweilen und steht dem farbenfrohen und zum Teil sehr witzigen Original in keinstem Falle nach.
Nein, stattdessen denkt Ritchie einen Schritt weiter, nimmt die sowieso schon rebellische und starke Frauenfigur Jasmin und verwandelt sie in einen feministischen Vorzeigecharakter, gibt ihr noch mehr Szenen sich zu entfalten und einen Song der sich nicht nur hören lassen kann, sondern der auch eine Message in sich trägt.

Lasst euch nicht zum Schweigen bringen

“Written in stone
Every rule, every word
Centuries old and unbending
Stay in your place
Better seen and not heard
But now that story is ending”

singt Naomi Scott als Jasmin, kraftvoll und mit Elan, lässt mich im Kino jedes einzelne Wort spüren und selten habe ich so. viel. Empowerment gefühlt wie in diesen 3 Minuten. “I won’t go speechless” und auch wenn ich diese Worte am liebsten mitschreien wollte bin ich doch etwas sprachlos aus dem Kino herrausgekommen.
Denn ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht damit so intensiv als Frau gestärkt und mich unterstützt zu fühlen. Egal wie viel Kritik der Film sonst einfahren mag, ich war fasziniert, erstaunt und so glücklich eine Frau zu sehen zu der ich aufblicken kann.

Feminismus on Point

Das wohl schönste am Film ist, dass auch außerhalb dieser 3 Minuten Jasmin keine Figur ist, die im Schatten der Männer verschwindet. Auch wenn sie und ihre Zofe Dalia immer noch maßgeblich in der Unterzahl gegenüber all der männlichen Charaktere sind, sind es wohl die zwei Figuren die einem am stärksten im Gedächtnis bleiben, die, die am meisten Charakter, Tiefe und Emotionen zeigen. Auch wenn Will Smiths Perfomance als Dschinni defintiv nicht zu verachten ist – da er dem Dschinni seinen ganz eigenen Charme verleiht und wieder mehr an den Will Smith der  Prince of Bel-Air Serie erinnert – sind es die beiden Frauen, die den Film dominieren und einzigartig machen.

Mena Massoud macht seine Rolle als Aladdin ganz gut, doch fehlt es ihm an emotionaler Tiefe und Dschafar ist wohl der so ziemlich blasseste Antagonist seit langem. Von den restlichen Charakteren bleibt so ziemlich nichts im Gedächtnis, außer, dass sie für den ein oder anderen Lacher gut waren.

Ja, Naomi Scott und Nasim Pedrad sind es die mich begeistern konnten, die dem Film Leben eingehaucht haben und den Zuschauern zeigen wofür Emanzipation steht, das Frauen Männern in nichts nachstehen, ja, sogar voranschreiten und die typischen Rollenbilder hinter sich lassen können. “Wir sind Frauen und wir sind stolz drauf” kommt als Message zwischen den Zeilen kaum zu übersehen heraus.
Und das Ganze funktioniert in dieser Welt, die voller Traditionen, voller konservativen Denkmuster und nur wenig bereit ist, diese aufzubrechen.

Fazit

Aladdin (2019) lohnt sich. Sehr. Guy Ritchie entführt uns in den alten Orient, lässt Teppiche fliegen und magische Höhlen zum Leben erwachen. Wie selbstverständlich bricht er dabei mit veralteten Strukturen, macht Jasmin zum Mittelpunkt der Story und verpasst es nicht den Charme des Disney Klassikers aufrechtzuerhalten. Ob man Kindheitserinnerungen auffrischen oder sich neu verlieben will, so oder so lohnt es sich in diese Realverfilmung einmal reinzuschauen.

4.5/5

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Lisa
Gast

Hey Jenny,

ein wirklich schöner Beitrag zu dem Film. Ich selbst habe ihn noch nicht gesehen, einfach weil mich damals der Disney Film nicht umgehauen hat….ausser Genie die süße Maus.
Wenn er verfügbar ist werde ich ihn mir aber einmal ausleihen und dann vor allem auf die Themen achten, die du ansprichst! Du hast mir echt Lust auf den Film gemacht!

LG Lisa

LeseWelle
Gast

Hallo Jenny,
wird wohl Zeit das ich mir den Film ansehe. 😀
Klingt sehr gut und vor allem, ich liebe Disney total! Leider komme ich so wenig ins Kinos, deshalb werde ich wohl warten bis ich ihn auf DVD bei uns ausleihen kann, aber das warten lohnt sich ja anscheinend. 😉
Liebe Grüße
Diana

Nicole
Gast

Ich habe schon mehrfach gelesen, dass Naomi Scott der wahre Star des Filmes ist und man gerade mit Jasmin wunderbare Arbeit geleistet hat. Das macht mich auch neugierig auf den Film. Es freut mich, dass man da mit der Zeit geht und Disney seinen Einfluss und seine Marktstellung nutzt, um eine solche Botschaft zu vermitteln, das ist unglaublich wichtig. Ich werde mir Aladdin zwar nicht im Kino anschauen, weil ich bei den Disney Realverfilmungen immer ein bisschen meine Probleme mit dem Gesinge habe, da muss ich immer erst reinfinden, aber mit größter Wahrscheinlichkeit auf dem Streaming Dienst von Disney, da… Weiterlesen »