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“Die Morde von Pye Hall” von Anthony Horowitz

Inhaltsangabe

Schon lange habe ich keinen Krimi mehr in die Hand genommen und muss einfach zugeben, dass das auch außerst selten der Fall ist. Zu diesem hier habe ich gegriffen, da Diana von Lesewelle es in unserer kleinen Kölner Leserunde lesen wollte und tatsächlich hat mich schon von Anfang an der Klappentext interessiert, da es nicht nach den Krimis klang, die ich sonst bisher in meinem Leben kannte.

Und am Ende konnte mich “Die Morde von Pye Hall” sogar überzeugen.

Vielen Dank an den Insel Taschenbuch Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Susan Ryeland, Lektorin bei Cloverleaf Books, arbeitet schon seit Jahren mit dem Bestsellerautor Alan Conway zusammen, und die Leser lieben seine Krimis mit dem Detektiv Atticus Pünd, der seine Fälle charmant wie Hercule Poirot zu lösen pflegt.

Doch in seinem neuesten Fall ist nichts wie es scheint. Zwar gibt es zwei Leichen in Pye Hall und auch diverse Verdächtige, aber die letzten Kapitel des Manuskripts fehlen und der Autor ist verschwunden. Ein merkwürdiger Brief legt nahe, dass er sich das Leben genommen hat. Susan Ryeland muss selbst zur Detektivin werden, um nicht nur den Fall der Morde von Pye Hall zu lösen, sondern auch die Umstände des Todes von Alan Conway zu enträtseln.

  • Genre: Krimi
  • Originaltitel: Magpie Murders
  • Erstveröffentlichung: 12.03.2018
  • Seiten: 605
  • Preis: 12€ (TB)
  • insel Taschenbuch Verlag

Rezension

Was ein Schauspiel. Ein 600 Seiten langer Krimi hätte – gerade für mich – so langatmig werden können, doch genau das wusste Horowitz zu umgehen. Die Idee, zwei Handlungen in eine zu packen, ist durchaus nicht neu, wurde aber in einer so interessanten Form umgesetzt, dass es auf eine Weise 2 komplett losgelöste Fälle waren und trotzdem miteinander verwebt.
Dabei weder die eine, noch die andere Handlung aus den Augen zu verlieren ohne das es zu langweilig oder zu viel wird, ist auch eine kleine Kunst für sich.

Zwei verschiedene Fälle, die miteinander verwebt sind.

Auch wenn Susan’s Abschnitte anfangs etwas langsamer verliefen, hat das in keinster Weise gestört, denn dafür wurden viele Stränge in Atticus Pünd’s Fall aufgenommen, dem Krimi, den Susan gerade liest um ihn zu lektorieren. Ein geschickter Schachzug, denn dadurch wirken die Sprünge zwischen den Handlungen keineswegs sprunghaft. Immerhin verfolgen wir Susan und wissen, wann sie sich hinsetzt um weiterzulesen und daher ist es nicht überraschend, wenn das nächste Kapitel wieder zu Atticus Pünd wechselt.

Das Susan sich auf die Suche nach den letzten Kapiteln begibt ist auch nicht verwunderlich, denn immerhin ist sie seit Jahren Alan Cornway’s Lektorin, dem Autor der Atticus Pünd Krimis. Das sie kaum einen Zufall darin sieht, dass sowohl die letzten Kapitel fehlen, als auch Alan Cornway tot aufgefunden wird ist ebenfalls schlüssig.

Ein herrausragender Schreibstil

Wirklich herrausragend fand ich den Schreibstil, der mit den Handlungen wechselte. Während man Susan folgt, ist der Schreibstil lockerer, erinnert an moderne Romane, wirkt umgangssprachlicher und einfacher.
In den Atticus Pünd Kapiteln wechselt Horowitz zu einem etwas hölzernen, sachlicherem Schreibstil, erfasst die Mentalität eines Sherlock Holmes Krimis, wird gediegener und fokussierter.
Diese Abwechslung ist Horowitz hervorragend gelungen und gibt einem mehr das Gefühl wirklich 2 verschiedene Bücher zu lesen. Außerdem unterstreicht es die unterschiedlichen Handlungen in ihrer Form.

Fehlende Emotionale Bindung

Was mir wohl am meisten gefehlt hat, waren Emotionen. Weder zu Susan, noch irgendeiner anderen Figur konnte ich irgendeine Bindung aufbauen. Bei einem klassischen Krimi wie Atticus Pünd es sein soll, wundert es mich wenig, ist der Detectiv selber sehr emotionslos und faktenorientiert. Auch sein Begleiter kann daran kaum was ändern, bleibt blass und farblos.
In Susans Fall hätte ich mir etwas mehr erhofft, denn hier lassen sich Parallelen herstellen, hier hätte man den*die Leser*in besser emotional abholen können. So war Susan für mich bloß eine Figur, um die ich keine Angst hatte und mit der ich nicht mitbangen konnte. Einzig meine Neugier auf das Ende hat mich am Ball gehalten (die keinesfalls klein zu reden ist!)

Fazit

Die Morde von Pye Hall sind spannend, erzähltechnisch genial verpackt und die 600 Seiten lassen sich fließend weglesen.
Zwei spannende Fälle warten auf den*die Leser*in und wer sich gerne mal in die Irre führen lässt wird hier mit Sicherheit fündig.
Emotionale Tiefe sollte hier entgegen nicht erwartet werden.

3.5/5

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Weitere Meinungen

Besonders interessant finde ich es dann immer, was einem dann doch nicht so wirklich aufgefallen ist. Die kleinen versteckten Details, denen man keine so große Beachtung schenkt. Sie sind dann wichtig und geben letztendlich die entscheidenden Tipps.
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Kerstin Cornils
3 Monate zuvor

Liebe Jenny,
danke für den Buchtipp. Der Krimi klingt spannend und die fehlenden Emotionen scheinen ja der Handlung nicht zu schaden.
Das Buch klingt ganz nach meinem Geschmack und wandert direkt auf meine Leseliste für den Urlaub.
LG Kerstin

Chrissi
3 Monate zuvor

Hallo Jenny,,

das klingt gut.
Ich wollte schon immer mal ein Buch von Horowitz lesen, weil er auch Drehbücher für eine meine Lieblings-Wohlfühl-Serien “Inspektor Barnaby” schreibt.
Ein Buch habe ich auch von ihm hier liegen, aber bisher nicht dazu gekommen…
Ganz liebe Grüße
Chrissi

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[…] Das Buch habe ich für unseren #KoelnerLesekreis gelesen zusammen mit Jasmin von Pandaversum und Jenny von Whoisthatnerd. Und Jennys Rezension findet ihr hier. […]

LeseWelle
3 Monate zuvor

Hallo Jenny!
Eine wirklich tolle Rezension! 🙂
Und ich bin froh, dass dir das Buch gefallen hat. Freue mich schon wenn wir uns das nächste Mal treffen können oder nochmal per Videochat darüber reden können.
Liebe Grüße
Diana