Serienkritik

5 Gründe warum ihr #13ReasonsWhy 2 sehen müsst

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Vom Buch zum Serien-Phänomen. Diese Beschreibung passt wohl selten so gut wie auf die Netflix Serie 13 Reasons Why – Tote Mädchen lügen nicht.
Nachdem die erste Staffel letztes Jahr einen riesen Wirbel in der Internet und Medienwelt geschlagen hat und in jedermanns Köpfen war, stellte sich schnell die Frage: Wird Netflix eine zweite Staffel produzieren?
Relativ bald wurde bekannt, ja, eine zweite Staffel ist in Planung gegangen und seit 2018 zu sehen. Doch wie sind die Produzenten weiter vorgegangen? Da nun keine Buchvorlage mehr das Grundgerüst bietet, schaffen es die Macher diese sensiblen Themen in einem angemessenen Umfang zu behandeln?

Meine Meinung

Auch ich gehörte zu den Skeptikern, fand die “Ausschlachtung” dieser Geschichte rücksichtslos. Die erste Staffel hatte schon eine Menge Diskussionen ausgelöst und die Welt quasi gespalten. In die Hälfte, die diese Geschichte gut und ehrlich umgesetzt fanden und die andere Hälfte, die zu viel Victim Bashing sehen und eine Vorbildfunktion vermissen.
Doch wie gut kann die zweite Staffel diese Problematiken weiterführen, vielleicht sogar besser machen?

Hier findet ihr 5 gute Gründe, warum ihr diese Serie unbedingt sehen solltet:

Reason 1 – Kritik an der Justiz

Oftmals hört man: Diese Serie sendet falsche Signale, die Vorbildfunktion fehlt, die Opfer bekommen ihre Gerechtigkeit nicht, die Täter entkommen ganz oder mit milden Strafen.
Jeder regt sich über diese Ungerechtigkeit auf, das Entsetzen war groß als Bryce am Ende mit 3 Monaten Bewährung davonkam. Trotz eindeutiger Beweise und mehreren Zeugenaussagen. Und ja, verdammt, es ist nicht fair. Bryce hat dieses milde Urteil nicht verdient, Jessica und all die anderen Mädchen haben es nicht verdient, nicht ernst genommen zu werden.
Aber: Leider (!) läuft es genauso ab. Nicht nur in Amerika. Überall. Immer und immer wieder. Und das zeigt diese Serie mehr als deutlich. Diese Urteile wird es immer wieder geben, wenn wir nicht etwas daran ändern. Wenn sich die Einstellung der Gesellschaft diesen Themen gegenüber nicht ändert.
Der mediale Aufschrei ist groß aufgrund eines fiktiven Urteils. Doch wo ist dieser Aufschrei, wenn wieder ein Vergewaltiger auf freien Fuß ist? Wo sind die Kritiker, wenn Kinderschänder auf Bewährung kommen?
13 Reasons Why beschönigt diese Wahrheit nicht und zeigt einen deutlichen Finger auf die Ungerechtigkeit der amerikanischen Justiz.

Reason 2 – Waffenmissbrauch

Auch hier kritisiert die Serie mehr als deutlich den amerikanischen Umgang mit Waffen. Wie fahrlässig die Waffengesetze in Amerika eigentlich sind. Denn es ist so einfach an eine Waffe zu kommen. Und hat man erstmal eine, kann man sich auch leicht noch ein paar mehr besorgen. Selbst ein Maschinengewehr lässt sich ohne größere Probleme auftreiben.
Schon in Staffel 1 wird deutlich dargestellt, wie gefährlich es sein kann, dass Schusswaffen quasi an jeder Ecke zu bekommen sind. Staffel 2 macht an diesem Punkt nicht halt, sondern geht noch einen Schritt weiter. Schonungslos wird gezeigt, wie schnell man die Pistole auf eine andere Person richten kann. Wie einfach es sein kann, einen anderen Menschen zu erschiessen.
Und genau das darf nicht der Fall sein. Schusswaffen sind keine Lösung. Denn trotz dem Besitz von diesen Waffen, kommt keine der Figuren damit an ihr Ziel. Waffen verletzen nur und sind auf keinen Fall notwendig und gehören abgeschafft.

Reason 3 – Drogenmissbrauch

Drogen sind scheiße. Zumindest seit der Serie Breaking Bad sollte jedem bewusst sein, wie gefährlich der Umgang mit solchen Substanzen sein kann. Und auch hier trifft der Zeigefinger von 13 Reasons Why genau ins schwarze. Drogen machen abhängig. Und es reicht NICHT mal eben schnell einen Entzug auf eigene Faust zu machen und ein besseres Umfeld zu schaffen.
Drogenabhängigkeit kann die menschliche Psyche zerstören und einen ein Leben lang verfolgen. Deswegen ist es so wichtig auch an diesem Punkt Awareness zu schaffen. Es ist viel zu leicht an diese gefährlichen Substanzen zu kommen und viele wollen die Gefahr die davon ausgeht nicht wahrnehmen.

Reason 4 – Darstellung psychischer Krankheiten

Zu diesem Thema kursieren wohl die verschiedensten Meinungen im Netz. Sind die Erkrankungen der Figuren realistisch dargestellt? Oder haben sich die Macher hier zu wenig mit der eigentlichen Problematik auseinandergesetzt?
Klar ist: Eine eindeutige Antwort gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Psychische Krankheiten sind nicht sichtbar und kaum erklärbar. Es gibt Ansätze und Hinweise um Erkrankungen dieser Art in Kategorien unterteilen zu können. Doch bis heute gibt es keine klaren Grenzen, keine genauen Aussagen. Es fällt uns immer noch schwer, diese Art von Krankheiten zu verstehen und zu akzeptieren. Daher ist es vielleicht genau richtig, wie die Darstellung verläuft.
Immerhin haben wir hier mindestens 2 Figuren die an einer PTBS (Post Traumatischen Belastungs Störung) leiden, wenn nicht sogar mehr. Die Folgen einer unbehandelten PTBS werden deutlich dargestellt, in welche Konflikte solche Erkrankungen führen können, wie weit Menschen bereit sind zu gehen, wenn sie sich selber nicht mehr zu helfen wissen.

Reason 5 – Der Menschliche Egoismus

Menschlicher Egoismus ist keine Seltenheit sondern die Tagesordnung. An erster Stelle steht man selbst und genau nach diesem Prinzip handeln wir alle. Davon ist so gut wie keiner ausgeschlossen und das ist auch vollkommen in Ordnung. Immerhin hat auch der menschliche Verstand noch Instinkte und die sagen vor allen Dingen: Schütze dich selbst.
Selbstschutz ist also evolutionär gesehen rein logisch und selbstverständlich. Doch wie weit darf dieser Selbstschutz gehen, wie wenden wir ihn in unserer heutigen Gesellschaft an?
Selbstschutz ist nicht mehr nur vor Räubern fliehen und sich am Leben zu erhalten. Auch unser Ansehen ist uns wichtig und treibt uns immer wieder an egoistisch zu handeln.
Der Mensch hat Angst ausgeschlossen zu werden. Er möchte sich sicher und zugehörig fühlen und daher fällt es oftmals schwer Fehler zuzugestehen. Denn dann “funktioniert” man nicht richtig. Ist kein Teil der Gesellschaft, wird verachtet, vielleicht sogar ausgestoßen.
Der Prozess um Hannahs Suizid zeigt uns die verschiedensten Abgründe der einzelnen Figuren. Aus welchen scheinbar unwichtigen Gründen Menschen lügen, dem eigenen Egoismus folgen, statt die Wahrheit preiszugeben. Die Serie macht auch hier keinen Halt, zeigt: Keiner ist hier ein Held. Egal wie betroffen, egal wie gewissenhaft – jeder handelt zum Selbstschutz.

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Ela - LiteraturliebeStephieNicci TrallafittiBuecherpanda Letzte Kommentartoren
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Ela - Literaturliebe
Gast
Ela - Literaturliebe

Liebe Jenny, spannender Beitrag. Ich fand die zweite Staffel eigentlich ziemlich daneben und mir hat sie gar nicht gefallen. Weil irgendwie nach Staffel 1 alles gesagt war und diese Serie wirklich ausgeschlachtet wurde. Mir hat die Umsetzung nicht gefallen, der Verlauf war einigen Stellen total weit hergeholt. Aber ich gebe dir auf jeden Fall Recht – Themen wie Vergewaltung, Drogen etc. dürfen nicht verschwiegen werden. Es sind so unglaublich wichtige Themen. Und vor allem gebe dir auch Recht mit der Justiz. Drei Monate ist ein Witz, aber es ist auch leider Realtiät. Jemand der einen Diebstahl begeht, bekommt teilweise eine… Weiterlesen »

Stephie
Gast

Ich möchte zwar nicht sagen, dass ich die zweite Staffel besser fand, ich fand sie aber auch krasser und vielleicht noch eindrücklicher. Am Ende der zweiten Staffel, ich glaube es war die vorletzte Episode – ist bei mir schon etwas länger her – habe ich noch deutlich mehr mit den Figuren gelitten als in der ersten Staffel. Ich konnte tatsächlich nachvollziehen, dass diese bestimmte Figur sich rächen wollte und hätte mit den meisten Charakteren nicht viel Mitleid gehabt. Ich finde es unfassbar, dass so etwas an amerikanischen Schulen offenbar tatsächlich passieren kann. Hast du diese ‚Talk Show‘ (auch bei Netflix)… Weiterlesen »

Nicci Trallafitti
Gast

Hey! Dein Beitrag gefällt mir richtig gut 🙂 Ich habe kürzlich die erste Staffel beendet und war total schockiert, aber ich finde es wichtig, dass solche Themen in den Medien behandelt werden, auch wenn ich diese Serie lange nicht jedem empfehlen würde. Die Zweite Staffel kann mich bisher nicht ganz abholen, aber ich habe auch erst 1-2 Folgen gesehen. Für mich war die Geschichte rund, wie sie ist. Aber ich werde auf jeden Fall dran bleiben. Ich finde es immer schwierig, wenn Menschen eine Darstellung psychischer Krankheiten kritisieren, denn dafür gibt es nunmal kein Regelwerk. Menschen sind unterschiedlich, jeder geht… Weiterlesen »